Das “Ochsen-Spiel”…

Samstag, 02.06.2007 , 23.52

wie das “Liter-Spiel” ein Call-in-Spiel, das sich erheblicher Beliebtheit bei den Call-in-Machern erfreut, hat nicht das Geringste mit historischem Brauchtum zu tun und auch nicht damit, daß die Zuschauer des Call-in-Formats am Nasenring vorgeführt werden.

Wann mit dem “Ochsen-Spiel” angefangen wurde, verliert sich im Dunkel der Geschichte - Call-in-Veteranen behaupten allerdings, es sei der Sender 9Live gewesen. Damals spielte man das Ochsenspiel noch in der Variante:

Wenn 5 Ochsen in 5 Minuten 5 Liter Milch geben, wie viel Milch geben dann 10 Ochsen in 10 Minuten?

Die Antwort war eindeutig und wurde so auch als richtig gegeben: 20 Liter. Wenn man nämlich von der falschen Prämisse ausgeht, daß Ochsen Milch geben, kann als richtige Antwort nur eine Zahl folgen, es handelt sich also um eine Rechenaufgabe.

Später wurde das Spiel abgewandelt, die Frage lautete dann:

5 Ochsen geben in 5 Minuten 5 Liter Milch. Wie viel Milch geben dann 10 Ochsen in 10 Minuten?

Das sieht dann so aus:

Ochsenspiel

Man kann für das Spiel die Zahl der teilnehmenden Ochsen Tiere, Zeiten und Mengen selbstverständlich frei variieren. Das ändert allerdings nichts daran, daß die Call-in-Produktionsfirma Callactive GmbH, die das “Rätsel” für die von ihr produzierten Sendungen adaptiert hat, in ihren Sendungen jetzt nur noch die Antwort “Ochsen geben keine Milch” als richtig akzeptiert. Dies ist allerdings nicht die richtige Antwort, denn wenn man von der falschen Prämisse ausgeht, daß Ochsen überhaupt Milch geben, handelt es sich um eine Rechenaufgabe. Erstmals in ihrer Sendung vom 19. Mai 2007, aus der der Screenshot stammt, gab die Moderatorin Animatorin Miriam Wimmer daher - wohl mit dem Ziel, die Callactive GmbH vor etwaigen Klagen enttäuschter “Falschlöser” zu schützen - gewisse Hinweise.Wir hätten an dieser Stelle gerne, wie andere, ein entsprechendes Video verlinkt, aber der Geschäftsführer von Callactive, Stephan Mayerbacher, sieht das nicht so gerne. Seine Antwort auf unsere Anfrage:

leider können wir einer Veröffentlichung von Videomaterial unserer Sendungen nicht zustimmen

Macht auch nichts. Das Video hätte ungefähr die folgende Schnittfolge gehabt:

Einblendung: „Das Ochsenspiel“ - danach Einblendung Frau Wimmer - entsprechend dem Screenshot - mit ihrem Satz: “Keine Scherzfrage, mehr eine Quizfrage” - danach Einblendung Frau Wimmer mit ihrer Aussage: „Wirklich keine Scherzfrage, sondern eine Quizfrage?“ - Weitere Einblendung: „Wenn es eine Quizfrage wäre, müßten Zahlen genannt werden… wir werden sehen!“ - dann Ausschnitt aus der Sendung mit dem Antworter “Stefan”: “25 Liter” - Nachfrage Frau Wimmer: “Stefan, was kommt raus?”. - Nochmals Stefan: “25 Liter.” - Neue Einblendung: „Bei einer Quizfrage wären 20 Liter richtig gewesen.“ - weiterer Ausschnitt aus der Sendung: Frau Wimmer: “… ultimativer Tip. Nicht 25, nicht 50, sagen sie keine Zahl.” - Noch ein Ausschnitt aus der Sendung: Frau Wimmer: “Das Spiel hat gar nicht den Namen Quizfrage verdient, sondern sollte Scherzfrage heißen.” - Einblendung: „Wie denn jetzt? Doch keine Quizfrage?“ - letzter Ausschnitt aus der Sendung: Heinz sagt: “Ochsen geben keine Milch” -letzte Einblendung: „Ist das transparent und fair oder Abzocke? Entscheiden Sie selbst!”

Im Nachhinein betrachtet, geht es auch ohne Video. Das Ochsenspiel wurde übrigens allein in der von Callactive produzierten Sendung “Money €xpress” in zehn Tagen dreimal gespielt: am 18. Mai (Spieldauer von 0.00 - 3.04 Uhr, 4 Aufleger/”Nichtssager”, 3 Falschantworten bis zur “richtigen” Lösung), am 23. Mai (Spieldauer von 0.00 - 3.04 Uhr, 5 Aufleger/”Nichtssager”, 5 Falschantworten bis zur “richtigen” Lösung) und am 28. Mai (5 Aufleger/”Nichtssager”, 5 Falschantworten bis zur “richtigen” Lösung).

Da fällt mir die alte indianische Weisheit ein: “Erst wenn der letzte Anrufer seinen letzten Cent vertelefoniert hat, wird ganz Deutschland wissen, daß Ochsen keine Milch geben, selbst wenn Abzocksendungen dies vorgeben.”

metzing

4 Kommentare zu “Das “Ochsen-Spiel”…”

  1. 1. Über Callactive,… | CALL-IN-TV BLOG schrieb:

    […] Videos entfernen läßt und nun auch gerne im Call-in-TV-Forum Screencaps entfernen lassen und die Erlaubnis zur Verwendung von CA-Szenen nicht erteilen möchte , andere, unkritische Fanforen aber gewähren läßt. Wenn ich es mir genau überlege, […]

  2. 2. Andreas schrieb:

    spart euch alle eure besserwisserei

    seht lieber zu das unser Volk über Presse und Medien geschützt wird

  3. 3. Thomas schrieb:

    hallo, gucke gerade die Sendung und das Ochsenquiz läuft. hab mich schon vor ihrem Text gefragt, ob Ochsen überhaupt Milch geben….und bei diesen Quizsendungen scheint doch immer irgendwo ein Hacken zu sein….genauso wie die Frage, ob man “nämlich” nun mit h schreibt oder nicht….sicherlich, denn am ende………wenn man etwas nach denkt kommt man sofort drauf…durchkommen tut man aber nie ….hab natürlich da noch nie angerufen….denke, dass die eh nur die Leute weiter durchlassen, die eh was falsches sagen wollen….man müßte mal zu tun, als wollte man was falsches sagen und dann doch mit der richtigen antwort raus rücken:-)

  4. 4. Heiko schrieb:

    “…4 Aufleger/”Nichtssager” …5 Aufleger/”Nichtssager” …5 Aufleger/”Nichtssager”…”
    Dummdreister geht es wirklich nicht mehr. Ein oder zwei Aufleger pro Tag wären vielleicht noch glaubhaft, aber was hier abgezogen wird, ist wirklich eine Sache für den Staatsanwalt. Komischerweise hat niemand Interesse daran hier einzuschreiten. Warum auch? Die “Ernte” an Telefongebühren fällt so reichhaltig aus, das für jeden (auch die Wegseher) ein Stück vom Kuchen bleibt. EIn Schelm, wer Böses dabei denkt. In England ist jedenfalls schon mal was passiert und dort haben sie den Call-In Anbietern mal ordentlich auf die Finger gehauen.
    Um dem Ganzen mal ein (Euro-)Gesicht zu geben, hier mal ein paar Zahlen aus einer Pressemitteilung der ProSiebenSat.1-Gruppe vom 9. November 2006:
    “In der Neunmonatsperiode erzielte das Segment Transaktions-TV einen Umsatz in Höhe von 71,6 Mio Euro. Im Zeitraum Juni bis September 2005 lag der Umsatz bei 32,3 Mio Euro. 9Live wird erst seit 1. Juni 2005 von der ProSiebenSat.1-Gruppe voll konsolidiert. Der Umsatzbeitrag von 9Live zu den Erlösen des Konzerns (2006 - Anm.) betrug 70,3 Mio Euro”
    Viele, viele Telefonanrufe sind das. Zusammen mit den anderen Call-In Anbietern sollte die 100 Millionen Euro eine realistische Zahl sein.
    So eine Mega-Milchkuh muß man mit allen Mitteln schützen. Daher werden wir wohl auch kaum erwarten können, z.B. mal bei Ulrich Meyer in seiner Akte-Sendung investigativen Journalismus zum Thema 9live zu finden. Eine Krähe hackt der Anderen bekanntlich ja kein Auge aus. Transaktions-TV nennen sie das, oder verständlicher ausgedrückt Geldmachfernsehen. Ich kann mir die Programmmacher bildlich vorstellen, wie sie gespannt auf ihre Bildschirme starren und dem Rattern des Gebührenzählers zuschauen. Sachliche Aufklärung ist sicherlich ein mächtiges Tool. Die Masse macht es bekanntlich auch hier. Auch wenn die Macher mit Unterlassungsklagen drohen (siehe Forumsmacher von Call-In-TV.de), sollten wir auf unsere Meinungsfreiheit pochen und für ein baldiges Ende dieses Schmuddel-Formates kämpfen.
    In diesem Sinne.

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