Betrugsvorwürfe reissen nicht ab
Samstag, 28.11.2009 , 17.11So lautet die Artikelüberschrift über einen Beitrag, der am 25.11.2009 in der “Neuen Luzener Zeitung” erschienen ist. Es geht wieder einmal um die Gewinnspielsendung “Swissquiz”, welche von der “mass response Service GmbH” in Wien, bzw. der “primavera TV” in München produziert wird. Mass response ist die Firma, welche in der Kassensturz-Sendung vom 24.06.2008 Aufmerksamkeit bezüglich “Austauschen von Lösungsumschlägen” erlangte. An dieser Stelle und “Im Namen des Volkes”, bin ich durch das Landgericht München I mittels Beschluss vom 02.08.2010 leider gezwungen, einige Textpassagen zu entfernen bzw. mich dem Urteil des Gerichts zu fügen und diese Passagen so zu formulieren, dass möglichst kein juristischer Interpretationsspielraum bleibt, welcher mir die hier verfassten Worte quasi im Mund umdreht, dessen Zweck mich, so interpretiere ich das jedenfalls, vermutlich finanziell unter Druck setzen und mich somit zur Aufgabe meiner Recherchen bewegen soll: Bis Juni 2008 wurde “Money Express” von der Callactive GmbH in München produziert. DWDL veröffentlichte dazu folgenden Artikel Callactive gibt Call-In auf - Mayerbacher zieht sich zurück. Die “mass response Service GmbH” hatte im Juni 2008 die Produktion von “moneyexpress” übernommen. Die FAZ schreibt über die Callactive GmbH am 20.12.2007 Die Worte der Verwirrten.
Doch nun zu den Betrugsvorwürfen, die den Schweizer Beat Mattle (32) veranlasst haben, Strafanzeige gegen “Swissquiz” einzureichen. “Swissquiz” wird auf mehreren Schweizern Privatsendern ausgestrahlt, darunter “3+”. Im Artikel ist die Rede von “gefakten Anrufern”, Austausch von Lösungsumschlägen, bzw. Austausch von Kofferinhalten. Der vollständige Artikel:
Die Sendung «Swissquiz» verspricht schnellen Gewinn. Am Ende steht oft nur eine hohe Telefonrechnung. Ein Schweizer hat jetzt Strafanzeige gestellt.
VON HANS-PETER HOEREN
Beat Mattle (32) hat in Zürich und Wien Strafanzeige gegen «Swissquiz» eingereicht. «In dieser Quizshow wird nachweislich betrogen», sagt der Schwyzer. Neun Stunden pro Tag wird das in Wien produzierte «Swissquiz» auf mehreren Schweizer Privatsendern ausgestrahlt, darunter 3+. Zuschauer müssen in Buchstabengittern Lösungswörter finden, Fehler in Suchbildern entdecken oder die Begriffe in den Umschlägen der Moderatorinnen erraten.
1.85 Franken pro Anruf, Anrufversuch und Minute kostet die Teilnahme. An drei Ungereimtheiten macht Mattle seinen Be-trugsvorwurf fest: Zum einen würden die Spiele mit «gefak-ten» Anrufern von Mitarbeitern der Produktionsfirma stundenlang mit absichtlichen Falschantworten in die Länge gezogen oder aber die Ausschüttung einer hohen Gewinnsumme oftmals verhindert, indem ein unechter Anrufer eine korrekte Lösung nennt. «Zudem werden Lösungsumschläge und Geldkoffer mehrmals nachweislich während der laufenden Sendung ausgetauscht, um zu verhindern, dass ein Anrufer die hohe ausgelobte Gewinnsumme gewinnt », sagt Mattle.
Die fraglichen Sequenzen hat er zu einem «Videobeweis» zusammengeschnitten und an die zuständigen Behörden sowie an die Privatsender geschickt. Die Betreiberfirma, eine Tochtergesellschaft der Telekom Austria, habe alle Vorwürfe vehement abgestritten, sagt Mattle. Bereits im vergangenen Jahr sorgte die Quizshow für Schlagzeilen. Die Fernsehsendung «Kassensturz» nahm die Show unter die Lupe, eine Insiderin hatte der Wiener Betreiberfirma «systematische Be-trügerei » vorgeworfen.
Zweifel an Chancengleichheit
Dominik Kaiser, Geschäftsführer des Privatsenders 3+, weist die Vorwürfe zurück. «Die Sendungen werden von einem erfahrenen Produzenten gemacht, der vertraglich zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet ist», sagt er. Zusätzlich überprüfe man regelmässig, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. «Uns ist wichtig, dass die Gewinne ausbezahlt werden, und wir kontrollieren deshalb die Gewinnauszahlungen regelmässig », ergänzt er. Monatlich würden mehrere hunderttausend Franken ausbezahlt.Trotz vieler Reklamationen können die Anbieter von Call-in-Shows in der Schweiz relativ unbehelligt ihrem Geschäft nachgehen. Eine der wenigen Auflagen hat das Bundesgericht 2006 verfügt: Zuschauer müssen auch unentgeltlich an dem Gewinnspiel teilnehmen können, zum Beispiel über die Webseite oder das Internet. Doch diese Varianten sind kompliziert und zeitaufwendig.
«Sobald die Möglichkeit zur Gratisteilnahme gegeben ist, hört unsere Aufsichtskompetenz auf», erklärt Manuel Richard, stv. Geschäftsführer der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Interkantonalen Lotterie- und Wettkommission. «Wenn ich mir die Spiele anschaue, habe ich das Gefühl, dass die Zuschauer mehr verlieren als gewinnen », sagt er. Er fordert deshalb schärfere Regeln (siehe Box), auch für die Schweiz: «Die Angebote sind für Konsumenten sehr unvorteilhaft. Es gibt keine Aufsicht über die Durchführung der Spiele. Man weiss nicht, wie die Chancengleichheit gewährleistet ist oder die Gewinne ausbezahlt werden.»
Viele Zuschauerbeschwerden
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) erhält oft Beschwerden in Sachen «Swissquiz». Andreas Tschöpe, Leiter Politik und Wirtschaft bei der SKS: «Wir raten davon ab, bei dieser Art von Quizsendungen mitzumachen. Es ist bekannt, dass diese über möglichst hohe Telefongebühren Gewinne machen und nur wenige Gewinnsummen ausschütten wollen.»

In dem Zusammenhang möchte ich auf einen Bericht von fernsehkritik.tv hinweisen, welcher in Bildern spricht, wichtige Hintergrundinformationen bereithält und die Vorwüfe von Beat Mattle in eindrucksvoller Weise stüzten könnte. Die Callin-Spielsendungen für ATV werden ebenfalls von “mass response”, bzw. von der “primavera GmbH” produziert. Ganz interessant ist auch dieses PDF-File (Studie über Anbieterstrategien bzw. technische Hintergründe von Call-In-Gewinnspielen), welche für ZAK erarbeitet wurde. Ich kann diese Studie dem interessierten Leser wärmstens empfehlen.
Das Team von callintv.net hat ein 75 minütiges Video produziert, welches im Detail aufzeigt, um welche Art von Auffälligkeiten und Sachverhalte es konkret geht. Es beinhaltet auch Aussagen und Stellungnahmen der jeweiligen Verantwortlichen, einen chronologischen Rückblick, Beispiele aus Callactive-Zeiten, sowie weitere Informationen bezüglich der aktuellen Strafanzeige gegen “Swissquiz”. Die letzten Minuten beinhalten aussagekräftiges Material von fernsehkritik.tv
Zum Video “Anrufen und Verlieren”
Nachtrag:
Auch Stefan Niggemeier hat sich dem Thema angenommen und liefert in seinen Beitrag “Anrufen & Verlieren” interessante Zusatzinformationen . Bezüglich der juristischen Schritte seitens “mass response” sei auf den zugehörigen Thread auf callintv.net und Quotenmeter verwiesen. An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, daß ich voll und ganz hinter der von Marc Döhler zusammengestellten Dokumentation stehe und die Argumentation von Holger Kreymeier via SAT-KABEL:
Fernsehkritik-TV-Produzent Holger Kreymeier betonte, im eigenen Angebot sei der Film nach wie vor zu sehen. Man sehe es als Pflicht an, Abzockereien öffentlich zu machen und zu bekämpfen. Von einem Anwaltsschreiben lasse man sich sicher nicht einschüchtern, so Kreymeier.
stütze. Auch ich sehe als meine Pflicht an, die Abzockmaschen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich sehe in dem Video eine ausführliche und ordnungsgemäße Dokumentation mit künsterischen Eigenwert.
Sonntag, 29.11.2009 um 12:59 am
schöner artikel und was mir besonders gut gefällt ist die tatsache, dass in der schweiz dinge beim namen genannt werden, die im forum www.callintv.de gerichtlich verboten wurden…
mal sehen, wie lang der arm einiger pensionierter produzenten ist, diese klaren worte auch ausserhalb deutschlands verbieten zu lassen…
viel glück und viel spass
gruß
der friese
Dienstag, 15.12.2009 um 1:28 pm
Weiß einer, warum Stefan Niggemeiers Beitrag “Anrufen & Verlieren” nicht mer erreichbar ist? (Also nur noch im Google Cache.)
Mittwoch, 23.12.2009 um 9:04 pm
Er hat in seinem Artikel mehrfach den “vorbotenen” Namen genannt, Eimersberger oder Müllbacherer - na ihr wisst schon.