Man könnte es sich einfach machen: Stephan Mayerbacher ist ein Fernsehproduzent. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Stephan Mayerbacher ist geschäftsführender Gesellschafter der Callactive GmbH, einer TV-Produktionsfirma der Endemol-Gruppe, die auf den Sendern VIVA und NICK eigenproduzierte Call-in-TV-Sendungen ausstrahlen läßt, in deren Rahmen man für 50 Cent pro Anruf an Rätseln teilnehmen kann. Im Idealfall wird man in die Sendung durchgestellt und kann gewinnen. Im Idealfall…
Herr Mayerbacher mag Herrn Döhler nicht. Das ist sein gutes Recht. Aber wer ist nun Herr Döhler? Marc Döhler ist Betreiber des Forums Call In TV, das sich kritisch mit den Call-in-Formaten diverser Fernsehsender auseinandersetzt. Und dessen Forum im Augenblick im Interesse der Medienöffentlichkeit, von Herald Tribune bis Spiegel Online, steht. Das hat auch seine Gründe, denn die Landesmedienanstalten, aufgeschreckt durch Nachrichten aus Großbritannien, sind darauf aufmerksam geworden, daß sie ihre Kontrollpflichten seit dem Aufkommen der Call-in-Formate völlig vernachlässigt nicht allzu ernst genommen haben. Das hat bei den Landesmedienanstalten für einen großen Schock hektische Betriebsamkeit gesorgt mit der Folge, daß man sich Anfang Mai mit den Produzenten und Sendern, die in Deutschland Call-in-Formate anbieten, zusammensetzen will, um strengere Regeln zu besprechen.
Das kann naturgemäß den Produzenten dieser Formate nicht gefallen. Was tut man dann als Produzent? Eine Möglichkeit wäre, im Vorfeld des Zusammentreffens mit einem Positionspapier eigene Vorschläge zu machen, denn damit verhindert man - im Idealfall - eine offene Diskussion, da sich die Diskussion dann um den Vorschlag dreht, der schon auf dem Tisch liegt. Damit könnte man härtere Einschnitte und weitergehende Versuche, das Format transparent zu machen, vermeiden. Gleichzeitig hätte das den Charme, daß die Landesmedienanstalten weiter schlafen ihren Kontrollaufgaben in Ruhe nachgehen könnten. Apropos Charme: Man könnte es natürlich auch mit einer Charme-Offensive versuchen und einem kritischen Medienjournalisten wie beispielsweise Stefan Niggemeier ein Interview geben, in dem man seine Transparenz und Fairness betont und gleichzeitig auf einen positiven Thread im Forum Call in TV verweist.
Die letztere Möglichkeit birgt allerdings ein unüberschaubares Risiko: Ein kritischer Medienjournalist wie Stefan Niggemeier könnte hinter die Kulissen schauen und öffentlich machen, daß Moderatorinnen derselben Produktionsfirma, deren Geschäftsführer stolz auf das Call-in-TV-Forum verweist, dasselbe Forum im gleichen Zeitraum wegen “schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzungen” wie der Bezeichnung als “Animöse” (ein Wort übrigens, das bei der Google-Suche auf fast 700 Treffer kommt und damit für eine Wortsuche nach dem “Maßnahmenkatalog” in Frage käme) abmahnen und gegen den Forenbetreiber Marc Döhler einstweilige Verfügungen erwirken. Schlecht auch für das Image, wenn diverse Blogs wie Xsized, das Abmahnungsblog von dondahlmann oder der “Leichensack” den Bericht von Stefan Niggemeier aufgreifen. Und was schlecht fürs Image ist, ist schlecht fürs Geschäft…
Dieser Tage erreicht Herrn Döhler übrigens eine Abmahnung von Herrn Mayerbacher - wegen eines Beitrages, den Herr Döhler als Forumsbetreiber unmittelbar nach Kenntnisnahme der Rechtswidrigkeit gelöscht hatte. Man könnte das alles für Zufall halten: erst eine Abmahnung der Callactive GmbH im März, dann Abmahnungen von Daniela Aschenbach, Anneke Dürkopp, Miriam Wimmer und Stephan Mayerbacher in rascher Folge im April… Man könnte es aber auch für eine Kampagne der Callactive GmbH gegen das Call-in-TV-Forum halten. Hierfür könnte sprechen, daß alle Abmahnungen von derselben Rechtsanwaltskanzlei in München stammen und eigenartigerweise, obwohl es sich offiziell um fünf verschiedene Mandanten handelt, vier der Abmahnungen dasselbe Aktenzeichen tragen getragen haben, bis dies zwischenzeitlich korrigiert worden ist. Vielleicht aber herrschte in der betreffenden Kanzlei auch nur ein Mangel an Aktenzeichen und man sollte zu entsprechenden Spenden aufrufen? Also, unsere Kanzlei jedenfalls vergibt für jedes Mandat ein eigenes Aktenzeichen - selbst wenn es sich um denselben Mandanten handelt.
Apropos Spenden: Marc Döhler ist entschlossen, sich gegen die Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen, ob Kampagne oder nicht, zur Wehr zu setzen. Er hat deshalb ein Konto eingerichtet, auf das zur Unterstützung des Forums in dem Kampf gegen die aktuellen Abmahnungen Spenden eingezahlt werden können. Es empfiehlt sich allerdings, als Verwendungszweck “call-in-tv.de” sowie weiter anzugeben, ob die Spende anonym bleiben oder eine Danksagung im Forum erfolgen soll.
Frank Metzing