Ich schlage vor, den PseudoBegriff “Killerspiele” für Shooter, einfach nicht mehr zu verwenden. Killerspiele setzt sich aus “Killer” & “Spiele” zusammen. Er impliziert indirekt, daß der Spieler eines “Shooters” einem Killer gleichkommt. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der vermutlich einem akademischen Gehirn entsprungen ist, welches nach 10Jahren Wordklickerei entdeckt hat, daß es Spiele gibt, wo in Ego Perspective Spielfiguren mittels Pixelwaffen auf dem Spielfeld entfernt werden. “Grauenhaft”, “Schrecklich”, “Ungeheuerlich”, “Abartig”.
Derartige Leute haben den Rechner bzw. die Entwicklung des Computers nie wirklich begriffen, waren weder an dessen Entwicklung beteiligt und haben auch nie an der Weiterentwicklung des Internet mitgewirkt. Für sie ist das Netz ein gefährlicher Dschungel, dessen Wege sie nicht kennen, den sie nun zum Kaufhaus, zum Anwaltsbüro, zum Onlinecasino und zum Propagandasprachrohr umstrukturieren versuchen.
Wenn man weis, wer der Böse ist, dann hat der Tag Struktur.
Ich war von Anfang dabei, was Spiele angeht. Ich habe auch alle möglichen Shooter gespielt. Von “Wolfenstein 3D” “Spear of Destiny” über “Doom (I &II)”, “Duke Nukem 3D”,”Quake” (I-III), “AvP”, “TFC” usw. usw. Ich tat dies, weil ich von der Entwicklung des Rechners, Grafik, Sound begeistert war, wie vermutlich viele andere auch. Dahinter stand ein Technikwissensdurst und ein Grafik-, Gameplay- bzw. Soundfetisch. Mein erstes Multiplayer fand über Modemdirektverbindung(14400baud) mit einem Freund statt. Grund: Technikverliebtheit und Wissendurst. Das war etwa 1995/96. Wir haben damals nicht einmal aufeinander geschossen, sondern sind in der virtuellen Welt gemeinsam auf Entdeckungsreise gegangen.
Die erste Lanparty, die ich besuchte, fand 1999 statt. Etwa 300 Menschen, eine ganze Truppe Polizisten war darunter. Leute, die im echten Leben Waffen tragen und mir gegenüber ironisch angaben, sie spielten “TFC”, weil sie hier einmal im Team, taktisch um sich schießen konnten. Erschossen haben sie während der drei Tage keinen einzigen Zocker in der Halle.
Amokläufer und Durchgeknallte gibt es auch ohne Shooter. Kranke Menschen hat und wird es immer geben. Zunehmend sind sie das Pendant und eine logische Konsequenz in einer hochgezüchteten, hochentwickelten Konsumgesellschaft, die Ihnen entweder alles gibt, oder nimmt. Ihnen wird von Geburt an beigebracht, daß sie Ihren Nächsten bekämpfen müssen, um selbst zu überleben. Die scheinbar “Schwachen” werden gnadenlos ausgezählt.
Viele Kinder werden sich selbst überlassen, weil die Eltern daheim angekommen, gestresst vom Überlebenskampf, immer weniger Zeit für Ihre Sprösslinge haben. Das betrifft auch die finanziell gut abgesicherte Schicht. Und die ganz besonders. Sie haben nämlich die Möglichkeit, sich bei Ihren Kindern freizukaufen.
Das Problem sind doch nicht die Shooter oder andere Ballerspiele. Das Problem ist die technisierte, übersättigte Spassgesellschaft und Kinder, die vor dem Computer und mit kostenpflichtigen Klingetönen groß werden, welches Ihr Taschengeld zum Bestandteil des Wachstums werden lässt, anstatt draußen in der Gruppe zB. durch die Wälder zu ziehen, “Peng..Peng” zu spielen, oder eine “Bude” zu bauen. Aber nicht etwa, weil es doof oder langweilig ist, sondern weil sie immer weniger Gelegenheiten dazu haben.
Meiner Meinung nach leiden die Kids unter den Zukunftsprognosen, die sie für sich selbst erstellen, weil sie schon sehr früh erkennen, daß sie entweder Gewinner oder Verlierer sein werden. Die sozial Schwächeren sehen immer weniger Zukunftsperspektiven für sich. Viele flüchten vor dem Bildschirm, während ein anderer Teil hinter dem Bahnhof Drogen kauft, oder dem Nächsten auf die Fresse haut, oder in dem man mit materiellen Dingen seine Überlegenheit gegenüber Anderen zum Ausdruck bringt. Einige bleiben dabei auf der Strecke.
Der scheinbar Starke killt den Schwächeren. Beruflich, gesellschaftlich, politisch und am Bildschirm.
Die Verrohung der Gesellschaft und der Druck ein Gewinner sein zu müssen um selbst überleben zu können, macht viele Menschen krank. Ein gespielter Shooter kann lediglich ein Impuls sein, um das Fass zum überlaufen zu bringen. Aber niemals für sich alleine. Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein Disaster geschieht. zb. Zugang zu Waffen, verantwortungsloser Umgang mit Waffen (siehe Winningen), psychische Erkrankungen, falsche Wertvorstellungen, Psychopharmaka, Zukunftsängste, Mobbing, Unterdrückung, körperliche und geistige Gewalthandlungen, Ausgrenzung, Verlustängste, Anerkennung von Gewalt untereinander usw.
Einen gesunden, sozial integrierten Menschen kann ein Shooter nichts anhaben. Lediglich die Einschätzung von Gefahren (mehrere Gegner auf dem Bildschirm, komplexe Situationen) kann er dadurch trainieren, in dem er taktische Überlegungen und Entscheidungen durch Erfahrung viel schneller fällen kann, als ein Einsteiger.
Dieses ganze verlogene und heuchlerische medienpolitische Geschrei mit Zeigerfinger auf die “einfachste Antwort” ist bezeichnend in unserer Gesellschaft. An ihr nährt sich die Politik, die Medien und jeder von uns, der mitverantwortlich für diese blutigen Auswüchse ist.
Wir müssen endlich lernen uns selbst an der Nase zu packen. Den Kindern und Jugendlichen vernünftige Werte vermitteln, uns Zeit für sie nehmen, Ihre Probleme und Ängste teilen und sie in Ihrer Entwicklung zu unterstützen, anstatt ihnen unsere Wertvorstellungen einzuhämmern, an denen sie langsam ersticken und sich zunehmend in pseudoreale Welten flüchten, wo der eine oder andere Verwirrte, eine scheinbar schlichte Lösung für seine Probleme zu finden glaubt.
Das Killerspielethema ist die dümmste Ausrede, die die politschen Rausreder je erfunden haben. Alleine schon das Wort “Killerspiel” zeugt von unwissender Borniertheit.
Die Kids sollten Ihre “Shooter” nehmen und sie den Politikpropheten vor die Füße kippen. Den PC gleich mit dazu. Anschließend kaufen sie kein einziges Spiel mehr und auch die teure Hardware, die man als Shooter-Gamer zwingend benötigt, um auf dem neusten Stand zu sein, muss nicht mehr konsumiert werden. Sie kaufen keine Gamerzeitschriften mehr und lernen zukünftig, wie man einen Pulli strickt. Den werden sie nämlich im lokalen Kriesengebiet brauchen, wenn sie als finazierender Teil des Wachstums wegfallen.